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Liebe Mitglieder der Pfarrei St. Laurentius,
lassen Sie mich eine kurze Geschichte von Anthony de Mello erzählen. Er hat sie überschrieben mit „Heiligkeitsspiel“
Bayazid, der Moslem – Heilige, pflegte manchmal absichtlich gegen die äußeren Formen und Riten des Islam zu verstoßen.
Einmal geschah es, dass er auf dem Rückweg von Mekka in der iranischen Stadt Rey haltmachte. Die Einwohner, die ihn verehrten,
eilten herbei, um ihn willkommen zu heißen, und verursachten in der Stadt ein großes Aufsehen. Bayazid, der dieser Art von Verehrung überdrüssig war, wartete, bis er den Marktplatz erreicht hatte. Dort kaufte er
einen Laib Brot und begann, im Angesicht seiner Gefolgsleute schmatzend zu kauen. Es war ein Fastentag im Monat Ramadan, aber Bayazid fand, dass seine Reise durchaus rechtfertigte,
dieses religiöse Gebot zu brechen.
Anders seine Gefolgsleute. Sie waren über sein verhalten so entsetzt, dass sie ihn auf der Stelle verließen und nach Hause gingen.
Zufrieden bemerkte Bayazid zu einem Schüler: „Siehst du, ich brauche bloß etwas für sie Unerwartetes zu tun, und schon schwand
ihre Verehrung für mich dahin.“
Jesus entsetzte seine Gefolgsleute auf ähnliche Weise.
Die Massen brauchen einen Heiligen, den sie verehren können, einen Guru, den sie um Rat fragen. Ein stillschweigendes Abkommen:
du musst unseren Erwartungen gerecht werden, als Gegenleistung bieten wir dir Verehrung. Das Heiligkeitsspiel.
Jesus hat am Sabbat Getreideähren abgerissen und die Körner gegessen, ein Verstoß gegen das Sabbatverbot. Jesus erklärte alle
Speisen für rein, heißt es im neuen Testament. Deswegen mussten sich die Heidenchristen nicht an die jüdischen Speisevorschriften halten.
Machen wir kein Heiligkeitsspiel um Jesus, sondern suchen wir ihn immer wieder neu in seiner Frohen Botschaft.
Friede und Heil wünscht Ihnen ihr Pfarrer

P. Martin Pfeifer OFM Pfarrer
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